Bei Schamanen: Bayaraas Schamanencamp

Bei Schamanen: Bayaraas Schamanencamp

Wir treffen uns in UlaanBaatar. Es dauert eine ganze Weile bis Praktikanten und Übersetzer, mit Vorräten, Gepäck und den Wodkaflaschen für die Zeremonien, in den vier Geländefahrzeugen verstaut sind. Noch habe ich keine Ahnung wo wir hinfahren und wo das Schamanencamp überhaupt liegt. Die Fahrer rauchen derweil im Schatten. Kaum, dass ein wenig Ordnung entstanden ist, sortiert Dr. Bayaraa, der Meisterschamane, alles wieder um. Ich versuche mich im Hintergrund zu halten, und erst einmal zu beobachten.

Wir fahren los, bleiben jedoch gleich wieder zum Tanken stehen. Wir fahren los, diesmal Stop zum Zigaretteneinkauf.

mongolische Siedlung

Dann in Richtung Nordwest. Die Siedlungen werden dünner, der Straßenbelag auch. Schließlich holpern wir auf der Staubpiste voran, zum Schluss auf Spuren durch die Wiesen. Während der vierstündigen Fahrt erzählt Buggy, der Übersetzer, vom Leben der Mongolen, deren Geschichte und Geschichten. Er selbst ist erst 21 Jahre alt und hat davon 7 Jahre in Deutschland gelebt. Nun studiert er hier Lehramt, will daneben Schamane werden, und spricht perfekt Deutsch.

Abenteuerliche Fahrt nach Norden

Es nieselt, und ab und zu bleibt eines der Autos im Schlamm hängen, und muss aus einer Senke geschoben werden, da die Räder durchdrehen.

mongolische Siedlung

Das Schamanencamp liegt in einem Tal, weit oben in den Bergen, mit Birken- und Lärchenbestand. Die Eisenbahntrasse der Transsibirischen Eisenbahn über UlaanBaatar nach Beijing verläuft an der gegenüberliegenden Talseite. Ein Fluss, der Kharaa, mäandriert durch die Wiesen auf denen Rinder und Pferde grasen. Einst kämpften hier das chinesische, russische und das mongolische Heer um die Vormachtstellung. Ein Ort mit vielfältigsten Energien.

Schamanencamp in der Mongolei

Der rote Faden vom Schamanencamp

Das Camp ist mit einem Zaun umgeben und besteht aus mehreren Jurten und Zelten. Den oberen Abschluss des Zaunes bildet ein dicker, roter Faden. Bevor wir das Camp betreten dürfen, werden jeweils unsere Vorder- und Rückseiten mit einem Büschel Wacholder abgeräuchert, dann der rote Faden angehoben, damit wir hindurchschlüpfen können.

Wir versammeln uns in Bayaraa’s Zeremonienjurte. Es duftet nach Kräutern. Allerlei Objekte, Trommeln und Federhauben hängen von den Sparren hinunter. Entlang der runden Außenwand stehen Altartische, übervoll mit Kerzen, Figuren, Objekten, Schälchen und Flaschen. Mehrere Lagen Teppich am Boden. Vor Betreten der Jurten werden die Schuhe ausgezogen.

Zeremonienjurte der Schamanen

Der Schamane

Buggy erklärt uns, wie wir uns hier zu verhalten hätten, während uns Bayaraa eindringlich mustert. Er dürfte in meinem Alter sein. Etwas stämmig. Ein sehr rundes Gesicht. Lustig aber auch listig,  und machtvoll. Wohl unberechenbar. Seine hüftlangen schwarzen, glatten Haare trägt er als Pferdeschwanz gebunden. Er raucht sehr viel und scheint sich nur von Coca-Cola zu ernähren.

Schlafplatz in der Jurte

Leben in Jurten

Wir werden auf drei Jurten verteilt und richten uns dort unsere Schlafplätze mit Isomatte und Schlafsack zurecht. Eine vierte Jurte ist für die Kochfamilie und die Vorräte. Es gibt keinen Strom und somit auch keinen Kühlschrank. Wasser wird aus dem Fluss geholt.

Kochplatz auf der Wiese

In der Wiese vor der Kochjurte steht ein Holzofen auf dem die Köchin für alle ein Menü mit Suppe, Haupt- und Nachspeise zaubert. Für die Vegetarier unter uns wird extra fleischlos gekocht. Es gibt Essen. Dazu aber weder Tische noch Stühle. Jeder nimmt sich einen Plastikteller vom Tablett, das die Töchter der Köchin bringen, und setzt sich in die Wiese. Auf einem niedrigen kleinen Campingklapptisch stehen Plastikbecher, eine Thermoskanne mit heißem Wasser, Teebeutel und Instantkaffee.

Verpflegung im Schamanencamp

Da das Flusswasser hier und in den umliegenden Siedlungen getrunken wird, darf man sich oder seine Wäsche im Fluss auch nicht waschen. Das Wasser darf lediglich dem Fluss entnommen werden und die Wäsche irgendwo in der Wiese erfolgen. Zum Glück habe ich einen Topf dabei, für’s waschen. Als Toilette dient ein windschiefer Verschlag über einer Grube, außerhalb des Lagers auf der Weide. Das Leben hier ist schon sehr basic.

Toilettenhäuschen in der Mongolei

Fortsetzung:

Mehr über:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.