Bei Schamanen: in Bayaraas Jurte

Bei Schamanen: in Bayaraas Jurte

Abendessen gibt es um 18 Uhr. Diesmal ein Teller mit Sushi, in Teigmantel gebackenem Gemüse und Pommes frites. Zuvor hat es geregnet, doch nun zaubert die untergehende Sonne einen Regenbogen und ein wunderschönes Abendrot in den Himmel. Ich esse vor der Jurte im Stehen, damit mir diese Farben nicht entgehen.

Jurte im Schamanencamp

Danach sollen sich die Praktikanten um ein Lagerfeuer kümmern. Doch wir finden im kleinen Wäldchen nebenan nur feuchte Äste. Vergebens versuchen wir das Feuer in Gang zu bringen. Selbst mit Hilfe einiger leerer Seiten aus einem Tagebuch gelingt es nicht. Erst als Bayaraas Frau mit einer Kerze kommt und einige Holzstücke mit einer Schicht Wachstropfen überzieht, züngeln die ersten Flammen. Das muss ich mir merken!

Abendrot und Jurte in der Mongolei

Sobald es dunkel geworden ist lernen wir ein Wunschritual an den drei Ovoos. Anschließend werden wir in die Zeremonienjurte gerufen.

Erste Nacht in der Zeremonien Jurte

Ein paar Kerzen werfen flackernde Schatten von den Ritualgegenständen an die Jurtenwand. Bayaraa erwartet uns in seinem prachtvollen Schamanengewand. Neben ihm sitzen noch zwei weitere Schamanen, eine junge Frau und ein junger Mann, ebenfalls im Schamanenornat. Beide seine langjährigen Schüler. Wir setzen uns ihm und den Altaren gegenüber, entlang der Jurtenwand auf den Boden. Buggy übersetzt jeden von Bayaraas Sätzen ins Deutsche, Azda, eine weitere Mongolin, ins Englische.

Bei Schamanen: in Bayaraas Jurte

Bayaraa erklärt, dass innerhalb der Jurte nur gekniet werden darf. Keinesfalls dürften die Fußsohlen zum Altar zeigen, oder Arme oder Beine verschränkt sein. Eine Verschränkung diene der Abschottung und lässt keine Öffnung für Energien oder Erkenntnis zu. Wir mögen nun gemeinsam meditieren…

Nach einer gewissen Zeit deutet er  einem nach dem anderen sich vor ihn auf ein großes weiches Kissen hinzuknien und da zu meditieren. Die Schamanin verbindet mit einem schwarzen Tuch die Augen. Dann ist es still. Bayaraa beugt sich ganz nah hinunter und beginnt erst ganz leise, dann immer lauter am Ohr des vor ihm Knienden Maultrommel zu spielen. Bei Manchen singt er dazu, oder spielt seine Trommel über deren Köpfen.

Ein Schauer durchläuft den Körper, ich versinke in eine andere Welt. Die fremden Klänge und der intensive Rhythmus packen mich in ungeahnter Weise. Es ist wie ein Rausch. Es dauert bis vier Uhr Früh. Wie benommen wanken wir in unsere Schlafjurten, auch wegen der längst eingeschlafenen Gliedmaßen.

Fortsetzung:

Mehr über:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.