Bei Schamanen: Magie und Trance

Bei Schamanen: Magie und Trance

Bei Sonnenuntergang versammeln sich alle in der Zeremonienjurte. Anfangs meditieren wir in völliger Stille. Nach geraumer Zeit deutet Bayaraa dem Ersten sich auf die Kissen vor dem Altar zu knien. Die Schamanin spielt Maultrommel, Bayaraa seine Dreiecks-Trommel. Die Dreiecks-Trommel dürfen nur Meisterschamanen spielen. Die Magie dieser Klänge verändert den Raum.

Schon an meinem Platz hinten an der Jurtenwand fühle ich wie die Klänge in meinen Körper eindringen und ihn packen. Ich beobachte wie es andere da vorne schüttelt und beutelt, wie geweint, gelacht und geschrien wird. Ich kann mich nicht einmal darüber wundern.

Bei Schamanen: Magie und Trance

Dieser Raum ist voller Magie. Ohne jegliche Drogen, allein durch Meditation und diese Klänge wird ein unbeschreiblicher Zustand erreicht.

Magie der Klänge

Dann komme ich an die Reihe. Ich bin aufgeregt. So wie als Kind, als ich auf das Christkind und die weihnachtliche Bescherung gewartet hatte. Die Schamanin verbindet mir sanft die Augen. Ich soll mich möglichst entspannt, ein wenig nach vorne gebeugt, mit leicht hängenden Schultern hinknien. Bayaraa klopft mir mit dem Trommelschlägel den Rücken hinunter. Dann setzt die Maultrommel ganz nah an meinem rechten Ohr ein.

Mein Kopf geht sofort mit. Ich kann und will gar nichts dagegen tun. Nickt und schaukelt zu diesen eigenartigen Klängen. Etwas ganz tief in mir drinnen erwacht und beginnt sich zu regen. Etwas Uraltes. Fasziniert spüre ich dem was da passiert hinterher.

Als die Trommel einsetzt, schnell und pulsierend, reagiert mein ganzer Körper. Er rockt regelrecht, mein Kopf vollführt ein Headbanging wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Immer wilder, rasender…bis ich meine, es würde mich zerreissen und würde das Bewusstsein verlieren. Mir ist Alles egal, ich lasse, was auch immer, los und falle vornüber. Ich kann mich nicht mehr bewegen. Ich stecke gefühlt halb in mir und halb neben mir. Erstaunt, ob ich den letzten Schritt, hinaus, wagen sollte. Ich fühle dort eine unglaubliche Freude und Freiheit.

Kontakt mit meinem Ahnengeist

Da merke ich, dass da noch etwas ist, eine Art Kraft. Ich mache ihr neben mir Platz. Plötzlich wird mein Körper aufgerichtet und meine Arme beginnen sich zu bewegen, wie wenn sie an Fäden, wie bei einer Marionette, hängen würden. Ich beobachte mich wie durch einen Schleier von der Seite her.

Später erzählen mir die Anderen ich hätte mit meinen Händen eine Art Tempeltanz vollführt und mich mehrmals vor dem Altar und den Anwesenden verbeugt und etwas verteilt. Es hätte sehr schön und positiv ausgesehen. Dann werde ich Zurückgetrommelt und erhalte eine Wodkadusche ins Gesicht. Ich schlage dabei wild um mich und fauche. Tja. Mein ICH hatte völlig die Kontrolle verloren.

Ich wanke an meinen Platz zurück und bin noch ziemlich benommen. Körperlich erschöpft, aber innerlich aufgeladen. Es ist vier Uhr Früh.

Ernennung zur persönlichen Schülerin

In der Schlafjurte will ich mich gerade in meinen Schlafsack einkuscheln, da erscheint Bayaraa in der Türe und winkt mir mitzukommen. Ich soll diese Nacht in der Zeremonienjurte schlafen und auf meine Träume achten. Neben mir Bayaraa und zwei weitere Schamanen, die leise schnarchen. Über mir die seltsamen Ritualobjekte, die vom Jurtenhimmel hängen. Draußen zwölf Elstern, die Trommelwirbel aufs Dach trommeln. Beim ersten Morgengrauen wanke ich nach draußen und versuche sie zu verscheuchen. Das ganze Camp ist voller Vögel! Wie seltsam.

Bayaraas Schülerin

Danach gelingt es mir ein wenig zu schlafen. Als ich aufwache bin ich alleine und schau mich etwas um. Bayaraa kommt mit einem Vokabelheft herein. Mongolisch – Deutsch. Mit dessen Hilfe versucht er mir Dinge zu erklären. Er sieht mir lange in die Augen, dann verkündet er, dass ich nun seine Schülerin sei…

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